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Kölner Karneval

Eilemann-Trio

Jahrzehntelang war eine dreiköpfige Formation aus Köln der Garant für fröhliche Musik: Das Eilemann-Trio. Radio- und Fernsehshows mit Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kuhlenkampf und dem legendären Hans Rosenthal, Neckermanns alljährliche Modenschau, Engagements auf Kreuzfahrten nach Westafrika, Südamerika, in die Karibik, Nordatlantik, zum Schwarzes Meer oder Nordmeer – das Eilemann-Trio war überall dabei. Bis heute sind die Lieder des Trios aus dem Karneval nicht wegzudenken.

Das Eilemann-Trio in der Formation mit Horst Muys und Karl-Heinz Nettesheim

Das Eilemann-Trio in der Formation mit Horst Muys am Bass und Willy Schweden an der Gitarre im Jahre 1960.

Das Eilemann-Trio, benannt nach dem Gründer Günter Eilemann, war 40 Jahre lang, von 1952 – 1992, unverzichtbarer Bestandteil des Kölner Karnevals. Treffsicher und parodistisch besang das Trio das, was damals in aller Munde war. Das Eilemann-Trio gehörte zu den absoluten TOP-Interpreten im Karneval.

Günter Eilemann, der Namensgeber und Kopf des Trios, wurde am 14. April 1923 in Köln geboren. Nach der Mittleren Reife sollte er nach dem Wunsch seiner Mutter zunächst Zahntechniker und anschließend Zahnarzt werden, doch die Neigung zur Musik war stärker. So besuchte er die Musikschule seiner Heimatstadt, wo er von 1938 bei Gerd Maibohm Klavier studierte.

Der Zweite Weltkrieg verschonte auch Günter Eilemann nicht: Er musste zum Militär und an die Front. In einem Kriegslazarett von Battalia Therme in Italien konnte er sein Interesse für Swingmusik ausleben. Nachdem er Silvester 1944 vor deutschen Offizieren einige Swing-Nummern am Klavier spielen durfte, musste er nicht mehr an die Front, was ihm möglicherweise das Leben rettete.

Willy Schweden, Günter Eilemann und Charly Niedick in den 1960er Jahren

Willy Schweden, Günter Eilemann und Charly Niedick in den 1960er Jahren

Und auch in anderer Hinsicht hat er Glück: Im Lazarett lernte Günter Eilemann Werner Finck kennen, der als Chef mit der “Frontbühne Italien” zur Truppenbetreuung auf Tournee war. Der Schauspieler und Kabarettist gab dem Kölner Pianisten nach der Kapitulation eine Unterkunft und verschaffte ihm Auftritte in einem amerikanischen Offiziersklub in Garmisch-Partenkirchen. Dort lernte Eilemann – selbst zeitlebens begeisterter Tennisspieler – die mehrfache Tennismeisterin Ulla Rosenow kennen, mit der er 1947 nach Köln zurückkehrte und dort später heiratete. Man bekam eine gemeinsame Tochter. Eilemann arbeitete nun als Vertriebsmitarbeiter. Tagsüber betreute Günter Eilemann die Kiosk-Besitzer und achtet auf werbewirksame Auslagen der Verlagsprodukte. Nachts unterhielt er im Hotel Europa als Alleinunterhalter am Klavier sein Publikum.

Das Eilemann-Trio in der Urbesetzung: Günter Eilemann, Horst Muys und Karl-Heinz Nettersheim.

Das Eilemann-Trio in der Urbesetzung: Günter Eilemann mit dem Akkordeon, Horst Muys mit dem Kontrabass und Karl-Heinz Nettesheim an der Rhytmus- Gitarre.

1952 gründete Günter Eilemann schließlich das Eilemann-Trio. Der Schlagertexter Klaus-Peter Urban bat Günter Eilemann darum, seinen Text „Ich habe heute einen schönen Schwips“ zu vertonen. Eilemann hatte bis dahin dem Karneval keine große Aufmerksamkeit geschenkt, doch er versuchte es. Allein wollte er den neuen Karnevalsschlager jedoch nicht präsentieren, zu groß war die Dominanz von Solokünstlern wie Jupp Schmitz und Karl Berbuer. Deshalb suchte er nach Mitspielern: Horst Muys und Karl-Heinz Nettesheim machten mit – die Geburtsstunde des Eilemann-Trios. Nach ihrem Debüt bei einem Herrenabend der Prinzen-Garde absolvierte die neugegründete Formation am 11. November 1952 bei der Großen Kölner KG im Williamsbau am Aachener Weiher den ersten echten Karnevalsauftritt. Als Gage gab es 45 DM.

Ihren ersten ganz großen Hit hatten sie mit dem Titel „Etz kütt et rut, rut, rut“. Das eingängige Liedchen parodierte die damals neuen Verkehrsampeln in Köln und traf den Nerv der Zeit – es avancierte auf Anhieb zum Riesenerfolg. Der Text stammte erneut von Klaus-Peter Urban. Damit war den Eilemännern nun der Weg in den Karneval geebnet. Weitere Erfolge folgten: In den 50er Jahren entstanden u.a. die Evergreens „Du alter Räuber“ (1954) und „Vater ist der Beste“ (1959). Beide Titel sind aus dem Kölner Karneval nicht mehr wegzudenken.

Willy Schweden liebte das Ahrtal und die Eifel und pflegte viele Freundschaften zu Winzern der Region. Auch zahlreiche Künstler waren im Schwedenhaus zu Gast: Hier auf dem Foto mit Hans Süper vom Colonia Duett. Auch privat war Karneval: Seine zweite Ehefrau Monika ist Tochter des Kölner Karnevalisten Jupp Kürsch, der bekannte Ehren-Baas der Muuzemändelcher. Foto: Schweden privat.

1956 erlebte das Eilemann-Trio den ersten Personalwechsel, als Willy Schweden den ausscheidenden Karl-Heinz Nettesheim ersetzte. Seine Liebe zum Jazz und zur Swingmusik war so groß, dass er sich die Spielweise der amerikanischen Vorbilder (Charlie Christian, Django Reinhardt) perfekt aneignete und seine Beruf als Dentist zum Leidwesen seines Vaters (sein Vater war Zahnarzt in Köln-Nippes) aufgab. Willy Schweden wurde professioneller Gitarist, arbeitete als Studiomusiker bei der EMI und im Cornett Studio und spielte Songs ein für Künstler wie Wolfgang Sauer, Paul Kuhn (Farbe der Liebe, Amor, Amor), Ralf Bendix, Willy Hagara, Will Brandes, Kurt Edelhagen oder Harald Banter. Zeitweise war er auch Sänger beim Botho Lukas Chor und dem Golgowski Quartett sowie den Hansen-Boys (mit Hans Blum). Er begleitete auf Tourneen Zarah Leander, Peter Alexander, Bibi Jones etc. Auf einer Kreuzfahrt MS Europa im nördlichen Eismeer geriet er mit dem Mittelfinger der rechten Hand in die Stahltüre des Aufzuges. Die Zeit der professionellen Studioaufnahmen war damit vorbei – endgültig. Nicht aber seine Karriere als Gitarist im Eilemann-Trio. Denn Günter Eilemann befand: „Sie sind mit 4 Fingern immer noch besser, als manch anderer Gitarrist mit 5“.

Charly Niedieck in seinem Atelier in den 80er Jahren. Er sammelte Antiquitäten und restarurierte alte Möbel. Viele Treffen mit Künstlern und Musikern fanden in seinem Atelier statt. Foto: Schweden privat

Charly Niedieck in seinem Atelier in den 80er Jahren. Niedieck hatte ein Atelier auf der Zülpicher Strasse für Gemälde seiner Ehefrau Marianne, Musikintrumente, von ihm restaurierte Möbel, Kunstgegenstände aus aller Welt, Antiquitäten und gute Weine. All das schaffte eine unglaublich tolle Atmosphäre und lockte viele Künstler und Musiker an. Foto: Schweden privat.

1962 schied auch Horst Muys aus. Charly Niedieck, gelernter Polsterer und Dekorateur ersetze Horst Muys. Diese schwere Aufgabe löste er mit Bravour. Niedieck war ein unglaublich humorvoller, warmherziger Mensch und herrlich verrückt. Er war ein rechter Pantomime am Bass. Wie er dieses Instrument beherrschte und welche akrobatischen Kunststücke er während des Liedvortrages vorführte, riss das Publikum zu wahren Stürmen der Begeisterung hin.

Auch in der neuen Besetzung setzte sich der Erfolg fort, Auftritt folgte auf Auftritt. Man nahm auch deutschlandweit Notiz von den drei Musikern aus Köln – und so wurden Fernsehauftritte in den großen Shows von Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kuhlenkampf und Hans Rosenthal fast schon zur Normalität. Zugleich ging das Trio auf internationale Schiffsreisen, bereiste durch die Musik so die ganze Welt. Tourneen führten die drei Kölner bis in die USA und nach Kanada. 1968 dann ein Schicksalsschlag für Günter Eilemann: Seine Frau Ulla erlag einem Herzinfakt.

In den 60er Jahren auf Tournee mit Willy Millowitsch.

In den 60er Jahren auf Tournee mit Willy Millowitsch.

Auf einer Nordamerika-Tournee lernte er jedoch die aus Westfalen stammende Karin Henschel kennen, Stewardess bei Access Air, Toronto. Eigentlich war Karin nur wegen eines Autogramms von Willy Millowitsch ins Hotel gekommen. Vier Jahre später wurde sie Günter Eilemanns zweite Ehefrau.

Selbstverständlich war man auch weiterhin im Karneval aktiv, wo Songs wie „Sie will ja nach Sevilla“ (1964) oder „Das Matterhorn“ (1987) immer wieder für Riesenstimmung sorgten.  Unvergessen auch das Stück „Morgens Fango, abends Tango“ (1976). Auch eines der letzten Lieder „Camelle us Cölle“ (1983) traf den Nerv der Zeit.

Günter Eilemann führte auch immer wieder als Moderator durch verschiedene Veranstaltungen, so 1978 bei einem musikalischen Nachwuchswettbewerb.

Das 35-jährige Bühnenjubiläum des Eilemann-Trios feierte man 1987 im Kölner „Senftöpfchen“. Die Laudatio hielt Günter Eilemanns ehemaliger Schulkamerad Kurt Brumme, der sich als Sportredakteur des WDR einen Namen gemacht hatte.

WDR-Aufzeichnung "Musik, Humor und Nadelstreifen - 40 Jahre Eileman-Trio" mit Laudator Norbert Blüm.

WDR-Aufzeichnung „Musik, Humor und Nadelstreifen – 40 Jahre Eileman-Trio“ mit Laudator Norbert Blüm. Foto: Schweden privat.

Zum 40-jährigen Bühnenjubiläum fand dann im Kölner Börsensaal die Show „Musik, Humor und Nadelstreifen“ statt, die der WDR aufzeichnete. Auch eine CD erschien aus diesem Anlass. Eine tolle Ehrung für die drei Künstler.

Dann aber am 1. November 1992 ein weiterer Schicksalsschlag: Der Unfalltod von Charly Niedieck. Nicht nur eine beiden Musikerkollegen, sondern ganz Köln stand unter Schock. Bei Niediecks Beerdigung kamen über 2000 Menschen zusammen, um von dem begnadeten Kontrabass-Akrobaten Abschied zu nehmen. Ganze Straßenzüge waren mit Lichtern in den Fenstern geschmückt. Für Günter Eilemann war Niediecks Tod der Anlass, sein Trio aufzulösen. Die darauffolgende Karnevalssession, bei der die Italienerin Maria Patis an Niediecks Stelle mitwirkte, bildete den endgültigen Schlusspunkt.

In den Folgejahren trat Günter Eilemann, der sich bis 1993 um den karnevalistischen Nachwuchs kümmerte, nur noch selten auf. Das Publikum hatte ihn jedoch nicht vergessen und feierte ihn bei jedem Gastspiel. Mal spielte er am Piano, mal mit seinem Akkordeon. Letzteres hängt inzwischen im Kölner Karnevalsmuseum.

1996 sang er auf der Bühne des Kölner WDR-Funkhauses gemeinsam mit Willy Schweden noch einmal ein Medley der erfolgreichsten Lieder, während der Session 1996/97 moderierte er im Fernsehen eine mehrteilige Sendereihe über den Kölner Karneval.

Auch wenn zwischenzeitlich alle Musikanten tot sind. Vergessen werden die Kölner ihre Eilemänner nicht. Mit ihren Liedern haben sie sich unsterblich gemacht.

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